Harrer Gudrun

Kriegs-Gründe. Versuch über den Irak-Krieg.

Das „Dokument eines gewaltigen Unbehagens“ nennt Gudrun Harrer ihren Essay über die Gründe, die hinter dem Irakkrieg standen.

Warum der Irakkrieg geführt worden ist? Wegen des Öls, Bush juniors Vaterkomplex, der israelischen Lobby in Washington, nicht wahr? Oder weil Saddam Husseins Irak, das neue "Reich des Bösen", die Welt mit Atombomben und biologischen Kampfstoffen bedrohte, ist es nicht so?

Der Krieg der USA gegen den Irak und der gewaltsame Regimewechsel in Bagdad sind zur Glaubensfrage geworden, für oder gegen Amerika, für oder gegen „die Araber“. „Der Zweifel ist fruchtbar“, hatte der deutsche Kanzler Willy Brandt 1971 in seiner Rede zur Verleihung des Friedensnobelpreises erklärt und noch für die Politik reklamiert, was heute selbst im unabhängig geltenden Journalismus im Schwinden ist: das Recht, hinter die großen Glaubensfragen zu sehen. Gudrun Harrer, die das außenpolitische Ressort des STANDARD leitet, hat eben dies getan. Das „Dokument eines gewaltigen Unbehagens" nennt sie ihren Essay über die Gründe, die hinter dem Irakkrieg standen.
In drei Schritten (Iraks Waffen: Facts and Fiction, Der Weg zum Krieg, Die Gründe) durchmisst der Leser das Panorama des Irakkrieges und entdeckt das große Getriebe der Psychologie: Die Verantwortlichen des Krieges haben ihre eigene Logik, ihre eigenen Begriffe („material breach“, „proactive cooperation“), ihre eigene Wirklichkeit geschaffen. Am Ende machte es keinen Unterschied, ob Bagdad etwa in Afrika Uran kaufte oder nur kaufen wollte (Es tat weder das eine noch das andere).
Selbst die Abwesenheit von Massenvernichtungswaffen galt als Argument gegen den Irak. Das Waffenthema war nur vorgeschoben, folgert Gudrun Harrer, und der Irak „ein ideales Opfer“ für die von den USA angestrebte Neuordnung des Nahen Ostens.  (©DER STANDARD, 9. Oktober 2003)

Erschienen: Oktober 2003
ISBN-10: 3-85476-108-2
Einband: Gebunden
Erschienen bei: Mandelbaum Verlag
Seitenzahl: 172
Gewicht: 250g